Arbeitsstillstand durch das Coronavirus

Work and Holiday Visum Verlängerung

Da wir leider durch die schweren Stürme nicht zum Milford Sound fahren konnten, entschieden wir uns in Queenstown dafür, noch einmal arbeiten zu gehen. Das Working Holiday Visum gilt in Neuseeland normalerweise 12 Monate. Wenn man aber mindestens 12 Wochen auf Farmen wie wir arbeitet, kann man das Visum um 3 Monate verlängern. Um diese Verlängerung zu bekommen, klapperten wir einige Farmen ab und führten etliche Telefongespräche.

Weinfarm

1.Tag

Wir fanden in Alexandra (90km von Queenstown) eine Arbeit für erst einmal zwei Tage. Wir halfen einer Frau namens Inge aus, die zwei größere Weinfelder besaß. Diese Felder fingen gerade an Früchte zu tragen und mussten von Vögeln geschützt werden, da sonst die ganze Ernte gefährdet werden würde. Dies sollte unsere Arbeit für die nächste Tage sein. Zunächst stutzten wir die Weinreben und anschließend spannten wir Netze über den Wein und stopften zum Schluss die Löcher, die beim Überspannen entstanden waren zu. Einfacher gesagt als getan. Um die Netze über die Weinreben zu spannen, benötigte man einen Traktor, welcher eine Box hinten aufgeladen hatte, auf der Sepp draufstand und das Netz aus der Box während der Fahrt den Mädels gereicht hatte. Die Mädels haben das Netz mit ihrer gesamten Kraft über die Weinreben gespannt und dies haben wir einen gesamten Tag gemacht. Am Abend hatten unsere Hände und Unterarme geglüht, aber es tut immer wieder gut, eine ehrliche Arbeit zu verrichten. Die Gastgeberin hat uns sogar ihr Haus gezeigt und es als selbstverständlich angesehen, dass wir alles benutzen durften. Schon des Öfteren ist uns aufgefallen, dass in Neuseeland das Haus und das Auto nicht so wertgeschätzt, wie in Deutschland. Hier wird Haus und Auto nur benutzt und nicht als Luxus angesehen. Wir vertreten die Ansicht nicht ganz so sehr, aber es ist trotzdem interessant.

2.Tag

Heute spannten wir das kleinere Feld mit den Netzen ab und stopften wieder die Löcher. Die Gegend rund um Alexandra ist sehr bergig und rau, hellbrauner Rasen erstreckt sich über die gesamte Landschaft. Oben auf den Bergen ist es sehr kalt in der Nacht, aber über den Tag sind es extrem sommerliche Temperaturen. Nach 8 Stunden Arbeit spendierte uns die Besitzerin ein paar Bier und schwupp waren Stephie und ich wieder 500 NZ$ reicher. Hier gibt es einen kleinen Hund namens Skip, welcher sehr wild lebt und die Hasen jagt und teilweise auch frisst. Dieser lag auch einmal entspannt bei Sepp und ließ sich den gesamten Abend kraulen. Schon schön, so ein Leben auf der Farm.

 

Kirschfarm

Anschließend landeten wir in Roxburgh (40 km von Alexandra entfernt). Hier befindet sich Cherri Farm Global in der Mitte von einem Tal, welche viele Felder mit jungen und alten Kirschbäumen besitzt. Die Farm gehört zu einem Großunternehmen und hat somit noch viel mehr Plantagen in der Nähe von Alexandra und auf der Nordinsel! Die einzelnen Felder sind mehrere Hektar groß.

Arbeiten auf der Kirschfarm in der Nebensaison

Da wir uns nicht während der Hauptsaison auf der Farm befinden, gibt es weniger Backpacker und die Arbeiten sind ganz anders. Die Supervisors kennen auch die Namen der Angestellten und alles ist viel entspannter. Die Jungbäume werden momentan mit Stricken und Metallkarabinern heruntergebogen um im Laufe der Jahre eine Wand zu erschaffen. Somit kann man später leichter die Bäume verschneiden und die Kirschen pflücken. Die jetzigen Felder und die Firma wurden vor Kurzem erst von einem neuen Besitzer aufgekauft. Dadurch werden viele Dinge jetzt anders gemacht und müssen verbessert werden, da anscheinend der Vorbesitzer von den Feldern nicht auf Optimierung aus war.

Die Arbeiten

In der ersten Woche mussten wir die „Piekse“ für das Runterbinden der Bäume anfertigen. Eine sehr entspannte Arbeit, bei der man nur lange Stricke mit zwei Knoten an einem Metallkarabiner befestigen musste. Wenn wir davon genug produziert hatten, ging es aufs Feld und eine Gruppe schlug die Piekse in den Boden, die andere Gruppe band die Fäden an einen rechten und linken Ast und bog diese in waagerechte Position. Bald mussten aber alle Leute die Karabiner in die Erde schlagen und die Äste runterbinden, da sich die Karabiner sehr oft währenddessen lösten und die Gruppe, die für das Runterbinden zuständig war, keinen Hammer besaß. Die Arbeit war zwar nicht sehr anstrengend, aber manchmal recht schwierig, denn die Kirschbäume müssen runter gebogen werden und dürfen dabei nicht abgebrochen werden. Trotzdem sind einige Äste auf der Strecke geblieben. Nach 3 Wochen Arbeit durfte Stephie die Kirschbäume mit einem Tape-Gerät bearbeiten (Siehe Video). Dies war noch viel entspannter, als die Bäume herunterzubinden. Man durfte sich auch während der kompletten Arbeitszeit auf Eimer setzen und so viel Hörspiele und Musik hören, wie man wollte 🙂

Sepp bekam eine andere Arbeit ab der zweiten Woche. Er spannte die Drähte zwischen den Jungbäumen an Metallpfählen, welche er vorher mit einem Kompressorhammer in den Boden schlug, damit Stephie und die anderen Arbeiter später die Bäume runter binden konnte. Somit erarbeitete Sepp sich wieder eine Arbeit, wo er allein sein Ding machen konnte und die ganz Zeit mit dem Quad fahren durfte.

Vielfalt der Arbeit

Da Sepp gern andere und auch anstrengende Arbeiten mag, wurde ihm auch das Verschneiden von Bäumen zugetraut. Mit 4 anderen Backpackern durfte er hoch hinaus. Man fährt mit einem motorbetriebenen Fahrzeug, welches einer Hebebühne ähnelt, und verschneidet die Bäume mit der Motorsäge 8-10 Stunden am Tag. Ziemlich gefährlich, aber schöne Arbeit. Sepp mag den Umgang mit schweren Maschinen. Danach wurde er zu einer anderen Anlage geschickt um da eine beschädigte Pipeline zu reparieren. 2 Tage schaufeln und Improvisation waren gefragt, da kein Geld für spezielles Werkzeug da war. Aber er hat es hinbekommen. Danach musste er noch ein Starkstromkabel verlegen, also Bagger fahren und viel mit der Hand graben. Viel Verantwortung, aber die Chefs waren sehr zufrieden und Sepp durfte sogar alleine mit dem Firmenauto zu den Feldern fahren und selbständig arbeiten. Highlight war für ihn, dass er Traktor fahren durfte, die Erfahrung ist schon etwas ganz Besonderes.

Unser Auto hatte während des Farmaufenthaltes auch einen Neuen Mitbewohner dazubekommen, nämlich eine Maus. Wie sich herausstellte, blieb es nicht bei einer Maus, am Ende waren es 3 Stück! Aber mit einigen Mausefallen, hatten wir dieses Problem auch schnell wieder in den Griff bekommen 😀

 

1 Haus, 7 Leute und das Coronavirus

Viele Freundschaften haben sich innerhalb der 4 Wochen Arbeit auf der Kirschfarm entwickelt. Wir lebten alle zusammen, schauten Filme am Abend und tranken am Wochenende alle mal einen über den Durst und hatten einfach richtig viel Spaß. Es ist lustig, wie viele unterschiedliche Menschen es gibt und wie einfach das Leben sein kann, wenn man nur sich und ein Haus hat. Nach 4 Wochen Arbeit kündigte uns die Firma leider wegen dem Coronavirus. Neuseeland hatte innerhalb von wenigen Tagen die Sicherheitsstufe 4 einberufen. Stephie wurde einen Tag zuvor gesagt, dass sie nun auch zum Pruning-Team wechseln soll, d.h. sie musste wie Sepp die Bäume mit der Kettensäge bearbeiten. Insoweit war Stephie froh, dass die Arbeit damit beendet war 😀 Damit wurde für alle Neuseeländer eine Ausgangssperre verhängt, d.h. keine unnötigen Wege aufnehmen, nur allein Lebensmittel einkaufen und zu Hause bleiben für 4 Wochen. Wir waren nur noch 7 Leute auf der Farm, der Rest wollte wieder nach Deutschland fliegen, warum auch immer… Wir suchten zu siebt (Anny, Frieda, Carlos, Darwin, Will und wir) ein Häuschen in Roxburgh auf einem Campingplatz raus und zogen ein um die nächsten 4 Wochen dort zu verbringen. Hier geht es uns gut. Wir können joggen, Trampolin springen, Fahrrad fahren, Ball spielen, spazieren am Fluss, angeln und haben ein ganzes Haus für uns. Einige von uns haben auch einen neuen Haarschnitt bekommen. Zu Ostern haben wir auch eine Schnitzeljagd organisiert, eine kleine Radtour zu einem See unternommen, ein kleines Lagerfeuer gemacht und ein feines Osteressen zubereitet. Die Campingbewohner sind hier nämlich sehr freundlich und haben uns reichlich beschenkt u.a. mit Birnen, Mais, Kürbis und Lamm. Einmal haben wir auch Verstecken im Dunkeln mit Horrormusik gespielt, sehr amüsant können wir euch sagen. Nichts für schwache Nerven! Das beste Versteck hatte Will, er lag einfach auf dem Kühlschrank drauf 😀

Corona

Wir schauen uns das ganze aus der Entfernung an und müssen sagen, dass alle richtig reagieren und hoffen, dass niemand erkrankt. Sepp hat nur Sorge um die Wirtschaft und wir sind uns auch nicht ganz einig, wie das weitergehen soll, da das Virus auch noch nach den 4 Wochen Isolation bestehen wird. Und die Wahrscheinlichkeit, wenn dann wieder fast alle Menschen unterwegs sind, dass es dann jemand bekommt, ist auch sehr hoch. Wir hoffen, dass alle die Zeit gut überstehen. Wir bleiben auch in unserem Häuschen in den Bergen von Roxburgh. Hoffentlich gehen die Reisen bald in ein paar Wochen weiter und lasst euch allen sagen, dass wir an euch denken.

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